Montag, 5. Dezember 2022

Karl Merkatz 1930 - 2022

Quelle: Profil.at
 
 Als ich als junger Bursch das erste Mal den "Bockerer" sah, hatte ich nicht die geistige Reife, um zu erkennen, was die Grundaussage dieses Films war. Auch die eigene Familie machte mir das Leben nicht leicht. "Früher unterm Adi war alles besser" war ein oft gebrauchter Satz. Und schuld an allem wären sowieso die Juden. Wie soll man sich da als junger Hupfer ein Bild machen können?

Karl Merkatz schaffte es mit der Darstellung des Karl Bockerer. Ein Fleischhauer aus Wien. Grundehrlich. Hin und wieder ein Grantler. Mit einer gemischten Tarockrunde. Ein Wiener. Ein Jude. Ein Kommunist. Das alles war ihm wurscht. Schließlich waren es seine Freunde. Und da war es egal, welcher Religion, welcher Rasse, welcher politischer Einstellung man angehörte. 
Zusammen Karten spielen, ein Glaserl Wein. Schmäh führen. Das war wichtig.

Wie gesagt, beim ersten Mal achtete ich mehr auf den Wortwitz als auf das Drama, welches dahinter steckte. "Ihr Blatt, Herr Rosenblatt!" oder "Sie haben mit Inbrunst den Namen Rosenblatt gerufen.". "Wos, i hob wo hinbrunst?". "Karli, hast das Bild des Führers in die Auslage gestellt?". "Jo, i hob an Sauschädl aussiglegt.". Unvergessen, als er sein Lokal mit der Hakenkreuz "beflaggen" musste. Einmal war sie zu lang. Lag im Dreck. Dann rollte er sie ein. Und es passte wieder nicht. Jetzt war es nur eine rote Fahne. Das Hakenkreuz war nicht mehr zu sehen.
 
Die Tarockrunde löste sich auf. Allerdings nicht freiwillig. Rosenblatt flüchtete vor dem Nazi-Terror aus Wien. Der Kommunist schaffte es nicht und kam in Dachau ums Leben. Sogar der eigene Sohn starb in Stalingrad. Schicksale, welche viele unserer Landsleute am eigenen Leib erfahren mussten.

Später begriff ich, dass es in Österreich mehr "Bockerer" gebraucht hätte. Die zu "Wutbürgern" hätten werden müssen. Müssig, den damaligen Generationen Vorwürfe zu machen. 
 
Eines ist auch klar: Geschichte darf sich nicht wiederholen!
Daran müssen wir jeden Tag arbeiten!
 
 Am Sonntag ist Karl Merkatz 92 jährig verstorben.

R.I.P.

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